Paläoökologie im Dogonland (Mali)

Einleitung

Ausgangspunkt der paläoökologischen Arbeiten im Dogonland – gelegen im Übergangsbereich von Sahel und Sudanzone  – war der Fundplatzkomplex von Ounjougou. Hier haben der Yamé und seine Zuflüsse mächtige geschichtete Sedimentpakete aufgeschlossen. Diese datieren bis zu 100.000 Jahre zurück und sind einzigartige Archive der regionalen Besiedlungs- und Klimageschichte.

Seit 1995 erforscht das interdisziplinäre Projekt von Natur- und Kulturwissenschaftlern „Peuplement humain et paléoenvironnement en Afrique de l’Ouest“, unter Leitung von Eric Huysecom (Universität Genf), die Besiedlungs- und Landschaftsgeschichte von Ounjougou. Seit 2005 ist die Universität Frankfurt mit archäobotanischen Untersuchungen beteiligt. Die enge Zusammenarbeit mit Sedimentologen, Archäologen und Datierungs-Spezialisten im Projektverbund ermöglicht die genaue chronostratigraphische Zuordnung und die Interpretation der archäobotanischen Proben (z. B. regionale vs. lokale Herkunft aus dem Galeriewald).

Probenentnahme am Fundplatz Ravin Sud

Holozäne Vegetations- und Landschaftsentwicklung

Die Sedimente der letzten 10.000 Jahre in Ounjougou sind reich an botanischen Mikro- und Makroresten, die eine Rekonstruktion des Galeriewaldes und der umgebenden Savannen erlauben. Beide haben sich unter dem Einfluss von Klimaschwankungen und menschlichen Eingriffen, hauptsächlich Feuer und Landwirtschaft, in diesem Zeitraum stark verändert. Die Einflüsse von Klima und Mensch überlagern sich dabei häufig und sind nur schwer voneinander zu trennen. Aber mit Hilfe von Mikroholzkohlen in jahreszeitlich geschichteten Sedimenten konnten von Menschen gelegte Buschfeuer nachgewiesen werden.

Im Frühholozän war die relativ artenarme sehr offene Savanne mit sahelischem Charakter nur wenig vom Feuer beeinflusst. Ab etwa 8000 BC etablierten sich dichte sudano-guineische Savannen und offene Wälder, die regelmäßig und häufig brannten, ebenso wie der Galeriewald. Ein wichtiges Element des Galeriewaldes war der afrikanische Bambus Oxytenanthera, nachgewiesen durch Holzkohlen und verbrannte Phytolithe. Im zweiten Jahrtausend BC wanderten, unter dem Einfluss von zunehmender Trockenheit, wieder sahelische Elemente in die Savannen ein.

Bambus-Holzkohle (Oxytenanthera)

Verbrannter Bambus-Phytolith (Oxytenanthera)

Der Bodenbau in Ounjougou reicht mindestens bis in die erste Hälfte des 2. Jahrtausends BC zurück, wie verkohlte Körner domestizierter Perlhirse (Pennisetum glaucum) vom Fundplatz Varves Ouest belegen. Aber bereits im Verlauf des dritten Jahrtausends BC zeigen sich deutliche Veränderungen in der Vegetation, belegt durch Holzkohle- und Phytolithenanalysen, die auf einen früheren Beginn der Landwirtschaft hinweisen.

In der jüngeren Geschichte des Dogonlandes hat sich am Westrand des Plateaus spätestens ab 1000 AD die intensive Eisenverhüttung durch massive Holzentnahme auf Vegetation und Landschaftsentwicklung ausgewirkt. Gleichzeitig weiteten sich auch die ackerbaulich genutzten Flächen aus. Diese jüngeren Entwicklungen haben wir überwiegend an archäologischen Fundplätzen untersucht (Siedlungshügel der Séno-Ebene, Siedlungen an der Falaise von Bandiagara, Schlackehalden am Westrand des Dogon-Plateaus), da Ounjougou für diesen Zeitraum keine ausreichenden palaäoökologischen Archive bietet.

Schlackehalde (Eisenverhüttung) beim Dorf Kowa

Ausblick: Phytolithenanalyse

Methodischer Schwerpunkt unserer aktuellen Forschungen im Dogonland sind Phytolithanalysen. Phytolithe sind mikroskopisch kleine Silikatkörper in Pflanzen, die sich lange im Boden erhalten und deswegen gut geeignet sind für paläoökologische Rekonstruktionen. Neben den Phytolithen aus den holozänen Sedimenten untersuchen wir zum Vergleich auch solche aus heutigen Pflanzen und Boden-Oberflächenproben.

Samenphytolith von Commelina benghalensis

Ausgewählte Publikationen

Eichhorn, B., Neumann, K. & A. Garnier (2010): Seed phytoliths in West African Commelinaceae and their potential for palaeoecological studies. - Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 298: 300-310.

Eichhorn, B. & K. Neumann (im Druck): Holocene vegetation change and land use at Ounjougou (Mali). - In: Fuller, D. & M.A. Murray (eds.): Flora, Past Cultures and Archaeobotany in Africa. Walnut Creek (Left Coast Press).

Eichhorn, B., Robion-Brunner, C., Perret, S. & V. Serneels (im Druck): Fuel for iron – wood exploitation for metallurgy on the Dogon Plateau, Mali. Proceedings der "World of Iron Conference", London 2009.

Huysecom, E., Rasse, M., Lespez, L., Neumann, K., Fahmy, A., Ballouche, A., Ozainne, S., Maggetti, M., Tribolo, C. & S. Soriano (2009): The emergence of pottery in Africa during the tenth millennium cal BC: new evidence from Ounjougou (Mali). - Antiquity 83: 905–917.

Huysecom, E., Ozainne, S., Robion-Brunner, C., Mayor, A., Ballouche, A., Chaix, L., Cissé, L., Eichhorn, B., Guindo, N., Le Drezen, Y., Lespez, L., Mezger, H., Neumann, K., Perret, S., Poudiougou, M., Rasse, M., Sanogo, K., Schneider, K., Serneels, V., Soriano, S., Soulignac, R., Traoré, B. D., & C. Tribolo (2009): Nouvelles données sur le peuplement du pays dogon: la onzième année de recherches du programme « Peuplement humain et évolution paléoclimatique en Afrique de l'Ouest ». - SLSA Jahresbericht 2008: 71-183.

Le Drézen, Y., Lespez, L., Rasse, M., Garnier, A., Coutard, S., Huysecom, E. & A. Ballouche (2010): Hydrosedimentary records and Holocene environmental dynamics in the Yamé Valley (Mali, Sudano-Sahelian West Africa). - Comptes Rendus Geoscience 342: 244-252.

Lespez, L., Le Drezen, Y., Garnier, A., Rasse, M., Eichhorn, B., Ozainne, S., Ballouche, A., Neumann, K. & E. Huysecom (2011): High-resolution fluvial records of Holocene environmental changes in the Sahel: the Yamé River at Ounjougou (Mali, West Africa). - Quaternary Science Reviews 30: 737-756.

Neumann, K., Fahmy, A., Lespez, L., Ballouche, A. & E. Huysecom (2009): The Early Holocene palaeoenvironment of Ounjougou (Mali): Phytoliths in a multiproxy context. - Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 276: 87-106.

Ozainne. S., Lespez, L.,  Le Drezen, Y., Eichhorn, B., Huysecom, E. & K. Neumann (2009): Developing a chronology integrating archaeological and environmental data from different contexts: the Late Holocene sequence of Ounjougou (Mali). - Radiocarbon 51: 457–470.

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