Die eisenzeitliche Umwelt von Dibamba, einem Fundplatz in der Küstenregion Kameruns

Landschaft bei Dibamba 1

Der Fundplatz Dibamba 1 liegt am Stadtrand der größten Stadt Kameruns, Douala. Ursprünglich war die Region von Küstenregenwald bedeckt, doch die intensive Nutzung durch den Menschen hat die Vegetation stark verändert. Auf den meisten Flächen in der Umgebung des Fundplatzes bauen die Besitzer kleinräumig Kulturpflanzen an. Der Fundplatz besteht aus 218 Gruben, die in unterschiedliche Besiedlungsperioden der letzten 2000 Jahre datieren.

Anhand der archäologischen Holzkohlen und der verkohlten Früchte und Samen aus den Gruben des Fundplatzes sollte der Einfluss der Landnutzung auf die siedlungsnahe Gehölzvegetation in den vergangenen 2000 Jahren rekonstruiert werden. Die botanischen Proben hatten kamerunische Archäologen bereits während der Rettungsgrabung 2008 im Zuge der Errichtung eines Kraftwerks genommen.

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der Holzkohle von Beilschmiedia spp., Lauraceae, im Querbruch (Aufnahme: M. Ruppel).30 Holzkohletypen wurden erkannt, beschrieben und dokumentiert. Ihre Bestimmung, also die Zuordnung zu verschiedenen Taxa, war zeitaufwändig. Die Vielzahl von Gehölzarten im westafrikanischen Regenwald und die unzureichende holzanatomische Bestimmungsliteratur erforderten einen hohen Rechercheaufwand in Vergleichssammlungen und in anatomischen Beschreibungen in taxonomischen Publikationen. Deswegen konnte mit 13 Proben und 511 Fragmenten bisher nur eine vergleichsweise geringe  Menge an Proben analysiert werden.

Aus 29 Proben wurden verkohlte Frucht- und Samenreste untersucht. Ihre Bestimmung beruht vor allem auf Vergleichen mit der institutseigenen Frucht- und Samensammlung und war ebenfalls sehr zeitaufwändig.

Holzkohlen, Frucht- und Samenreste belegen, dass in der Umgebung der Siedlung offene Flächen vorhanden waren und zum Sammeln von Wildfrüchten und Brennholz genutzt wurden. Die Frucht- und Samenreste stammen vor allem von Wildfrüchten, darunter einige, die in Dibamba erstmals nachgewiesen sind. Steinkerne der Ölpalme (Elaeis guineensis) sind in Dibamba, wie auch sonst in Fundplätzen des afrikanischen Regenwalds, der häufigste Fund unter den Frucht- und Samenresten. Auch verkohlte Bruchstücke von  Blattstielen und Sprossachsen stammen möglicherweise von der Ölpalme. Weitere  Pioniergehölze im Holzkohlespektrum belegen, dass die Menschen das Brennholz in jüngeren Lichtungen sammelten. Schattenertragende Taxa, die im späten Sekundärwaldstadium dominieren, zeigen aber, dass auch Holz aus Flächen genutzt wurde, deren Rodung Jahrzehnte zurücklag. Vermutlich wurde das Holz, das beim Anlegen der Felder in diesen Flächen anfiel, nach und nach als Brennholz in die Siedlung gebracht.Fragment  eines verkohlten Steinkerns der Ölpalme (Foto: S. Kahlheber).

Ein Hinweis auf kürzere Brachezeiten und damit eine intensivere Nutzung der Landschaft im Laufe der Zeit könnte sich, bei weiteren Untersuchungen, an einem zunehmenden Anteil der Pionierbäume in den jüngeren Proben ablesen lassen. Auf Grundlage der bisherigen Daten ist es allerdings nicht möglich zufällige von statistisch signifikanten Unterschieden zu trennen; dazu müssten weitere Proben untersucht werden. Auch der  Einfluss der Europäer lässt sich bisher nur im archäologischen Fundgut erkennen, nicht aber an den pflanzlichen Resten.